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Hessenderby gegen den untypischen Aufsteiger

Die "Samsung" Frankfurt Universe, Aufsteiger in die German Football League, ist mit einem typischen Liganeuling nicht zu vergleichen, passt man doch weder sportlich noch finanziell zu der Rolle des Debutanten, der sich erst einmal auf ungewohntem Terrain zurechtfinden muss. Im Gegenteil liefern die "Men in Purple" derzeit genau das ab, was Kenner der Szene schon vor der Saison vermutet haben, soll heissen, dass man erst eine Partie verloren hat – nämlich gegen den derzeitigen Platzhirsch aus Schwäbisch Hall – und damit zwangsläufig um den Titel des Südmeisters mitspielt. Zwar wurde am Main vor der Spielzeit bewusst Understatement betrieben, Fakt ist jedoch, dass alles andere als die ganz großen sportlichen Ziele aufgrund der Struktur des Vereines und der scheinbar unendlichen Finanzkraft unglaubwürdig erscheinen. Frankfurt ist längst in der Liga angekommen und wird nach menschlichem Ermessen in Zukunft eine immer größere Rolle spielen. Für den Moment reicht die Rolle jedoch schon aus, um aus dem am Samstag stattfindenden Hessenderby mit den Marburg Mercenaries kein Duell auf Augenhöhe zu machen. Alles andere als eine deutliche Niederlage der Universitätsstädter wäre eine große Überraschung.

Mercenaries verlieren im Allgäu

Mit den erwartet leeren Händen kehrten die Marburg Mercenaries Sonntag Nacht von der strapaziösen Auswärtsfahrt nach Kempten im Allgäu zurück. Bei den dort heimischen Comets setzte es eine 16:49 Niederlage, die bereits zur Halbzeit beim Stand von 35:0 für die Gastgeber, besiegelt war. Erst im zweiten Durchgang – auch begünstigt durch die Tatsache, dass die Allgäuer nunmehr vermehrt ihre "Back Ups" aufs Feld brachten – konnte man die Partie offen gestalten.

Schwierige Aufgabe im Allgäu

In den Aufeinandertreffen mit den Allgäu Comets steckt viel Tradition. Bereits zu Zeiten in der 2. Bundesliga lieferte man sich packende Duelle gespickt mit etlichen Anekdoten. Da war zum einen der Wechsel von Top- Star Patrick Johnson, der zum Aufstieg in die GFL die Seiten wechselte und maßgeblichen Anteil daran hatte, dass die "Söldner" nicht direkt wieder abstiegen. Dazu Dalkowski: "Wenn man ehrlich ist, war er damals unsere Lebensversicherung, hat als Receiver, Defensive Back und vor allem auch als Returner geglänzt." Dalkowski erinnert sich aber auch noch daran, wie ein namentlich nicht genanner Receiver es schaffte, sich bereits bei einem Werbeauftritt vor dem eigentlichen Spiel den Ellbogen auszukugeln. "Treibt mir ehrlich gesagt immer noch die Tränen in die Augen wenn ich daran denke", so der Präsident. In der Gegenwart treffen zwei Mannschaften aufeinander, die sich unterschiedliche Saisonziele setzten, die unterschiedliche finanzielle Voraussetzungen haben und bei denen der Gast aus Hessen als klarer Außenseiter anreist.

Das Abstiegsgespenst scheint vertrieben

Schön war es wahrlich nicht, was den nur knapp 300 Zuschauern im Sepp-Herberger-Stadion in Mannheim geboten wurde. In einem zerfahrenen Spiel mit vielen Fehlern auf beiden Seiten und etliechen Anhaltspunkten dafür, warum die bisherige Saison der Kontrahenten eher suboptimal verlief, setzten sich die Marburg Mercenaries dank einer stark verbesserten Leistung in der zweiten Halbzeit am Ende verdient mit 28:10 durch und konnten so einen wichtigen Sieg im Kampf um den Klassenverbleib einfahren.

Ein Sieg muss her

Zutreffend ist, dass die Saison in der German Football League noch nicht wirklich alt ist. Zutreffend ist weiterhin, dass noch ganz viel Football gespielt werden muss, bevor das Ringen um Abstieg, Play- Off- Plätze und schlussendlich die Meisterschaft entschieden ist. Und doch trifft man im Umfeld der Marburg Mercenaries viele Menschen, die der kommenden Auswärtspartie bei den Rhein Neckar Bandits entscheidende Bedeutung, ja teilweise schon Endspielcharakter attestieren. Ganz so dramatisch bewertet Marburgs Oberster – Carsten Dalkowski – die Situation nicht, kann die entsprechende Sichtweise dennoch nachvollziehen. "Es geht darum, schon früh in der Saison, den Grundstein dafür zu legen, dass man möglicherweise nicht tief in den Abstiegskampf gerät. Ein Erfolgserlebnis würde der Mannschaft Sicherheit geben und hoffentlich den Knoten für weitere Siege platzen lassen."

Ein Spiel der vertanen Chancen

Die Wahrheit liegt ja bekanntlich oftmals in der Mitte, und so ist es auch nicht verwunderlich, dass die Analyse der beiden Mannschaften hinsichtlich des Spielgeschehens möglicherweise stark voneinander abweichen werden. Während die Marburg Mercenaries vergebenen Chancen nachtrauerten und individuelle Fehler zu beklagen hatten, können die Stuttgart Scorpions das vielzitierte Pferd herausholen, das ja bekanntlich immer nur so hoch springt, wie es gerade muss. Tatsache ist, dass der 30:14 Sieg der Stuttgarter nicht so klar war, wie der Spielstand es vermeintlich hergibt.

"Wir brauchen einen Sahnetag"

Zwar haben die Marburg Mercenaries nach bisher absolvierten vier Begegnungen erst einen Sieg auf dem Konto, in Unzufriedenheit oder gar Panik verfällt deswegen bei den Hessen indes keiner. "Da muss man die Kirche im Dorf lassen", resümiert dann auch Präsident Carsten Dalkowski. "Mit Ausnahme der Partie gegen das Saarland, bei der ich ehrlich gesagt eine kleine Hoffnung hatte, ist bisher alles so gelaufen, wie vorab erwartet. Der Sieg gegen Mannheim war für den Saisonverlauf unheimlich wichtig und dass wir derzeit nicht wirklich in der Lage sind den Hallern Paroli zu bieten, war auch klar". Angesprochen auf die kommende Aufgabe gegen die Stuttgart Scorpions zögert Dalkowski kurz, um anschließend eine höchst diplomatische Antwort zu wählen. "Stuttgart ist klarer Favorit und doch habe ich so das Gefühl, dass wir an einem nahezu fehlerfreien Sonntag Nachmittag eine Chance haben. Wir brauchen einen Sahnetag".

Auch das Rückspiel geht verloren

Das Spiel der Marburg Mercenaries gegen die Schwäbisch Hall Unicorns stand von Anfang an unter keinem guten Stern. War man ohnehin klarer Außenseiter der Partie, musste man sich im Vorfeld auch noch mit "Störfeuer" aus der lokalen Presse herumschlagen, Feuer welches durchaus einiges an verbrannter Erde zurückgelassen hat. Dazu Pressesprecher Arik Bredendiek: "Es kann einfach nicht angehen, dass man der Aussage eines einzelnen Spielers über die Hälfte des Artikels einräumt. Es geht dabei nicht um die kritische Berichterstattung, die legitim und absolut gewünscht ist, es geht um subjektive Stimmungsmache. Ich hoffe die Mannschaft hat verstanden, dass man Probleme intern anspricht." Sportlich sah es bis Mitte des zweiten Viertels noch so aus, als könnten die heimischen "Söldner" dem Favoriten aus Hall ein enges Spiel bescheren, bevor die Einhörner die Regie übernahmen und über den 21:6 Halbzeitstand am Ende einen verdienten und ungefährdeten 49:20 Sieg einfuhren.

Unicorns zu Gast beim "tegut…Gameday"

Wer den Vorbericht aus Schwäbisch Hall zu der kommenden Aufgabe in Marburg liest, könnte fast auf den Gedanken kommen, dass die Gäste am Sonntag als Außenseiter nach Hessen reisen. Jedoch kann selbst der Hinweis auf etliche verletzte Spieler und die spielfreie Vorbereitunsgzeit der Mercenaries Kenner der Szene nicht darüber hinwegt äuschen, dass eben genau das Gegenteil der Fall ist. "Netter Versuch", kommentiert dann auch Präsident Carsten Dalkowski mit einem Grinsen auf dem Gesicht. "Allein das Ergebnis vom Hinspiel, aber auch die Partien der letzten Jahre zeichnen hier ein deutliches Bild. Der Kader von Hall ist qualitativ gut besetzt und wird nach meiner Einschätzung die Ausfälle problemlos kompensieren können."

Unicorns zwei Nummern zu groß

Spätestens zur Halbzeit, eigentlich schon nach dem ersten Viertel, war klar, dass die Partie in Schwäbisch Hall nichts Zählbares einbringen würde. Zu dominant legten die Gastgeber los, führten Mitte des zweiten Viertels bereits 28-0 und konnten so nach der Pause bis zum Endstand von 56-25 in den "Cruise Control" Modus stellen. Es ist den Marburgern hoch anzurechnen, dass sie sich nie aufgaben, den zweiten Durchgang sogar ausgeglichen gestalten konnten, eine echte Siegchance entwickelte sich darauf indes nicht. So war dann auch nicht das Ergebnis die vorrangige Erkenntnis des Spieltages, sondern die Tatsache, dass die Mercenaries aufgrund des frühen Rückstandes augenscheinlich ihr Passspiel entdeckt haben.